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Warum beugt Training Depressionen vor?

Sport Vernetzt Gerrit Jäger

Sport Vernetzt 

Es ist allgemein anerkannt, dass sportliche Aktivität eine wirksame Gegenmaßnahme bei Depressionen ist, aber es ist nicht klar, warum. Hängt es mit dem Herz-Kreislauf-System zusammen? Oder hat es mit psychosozialen zu tun, weil man zum Training aus dem Haus geht und beispielsweise Laufpartner trifft? Wird während des Trainings im Gehirn vielleicht eine Chemikalie produziert, die Depressionen bekämpft (das wäre meine Annahme gewesen), oder erzeugen die Muskeln einen Stoff, der dann zum Gehirn gesendet wird? Keiner der genannten Theorien ist bis jetzt bewiesen.

Depressionen sind sehr komplex und facettenreich – es spielen wahrscheinlich viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Aber die Studie widerspricht der Hypothese, dass eine Chemikalie im Gehirn selbst erzeugt wird. Statt dessen scheint es so zu sein, dass vor allem die Leber mit der Produktion einer Chemikalie namens Kynurenin auf Stress reagiert, die dann zum Gehirn weitergeleitet wird, wo sie unter anderem Neuroinflammation, Zellsterben und depressive Erkrankungen auslösen kann. Allerdings veranlasst Training die Muskeln, vermehrt ein Protein namens PGC-1alpha1 zu erzeugen, welches wiederum zur erhöhten Produktion eines Enzyms führt, das dann Kynurenin in Kynurensäure umwandelt – der entscheidende Punkt dabei ist, dass Kynurensäure nicht fähig ist, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren und so (anders als Kynurenin) im Gehirn keine Schäden anrichten kann.

Also, kurz zusammengefasst: Stress produziert Kynurenin, welches zu Depressionen führen kann, doch körperliche Bewegung hilft, Kynurenin in eine harmlose Substanz umzuwandeln, so dass man weniger anfällig für stressbedingte Depressionen ist. Die folgende Graphik veranschaulicht diesen Prozess (KYN ist Kynurenin, KYNA ist Kynurensäure):

Foto: runnersworld.com

Stress bewirkt, dass die Leber ein Protein (Kynurenin) produziert und es ins Gehirn weiterleitet. Durch körperliche Betätigung jedoch erzeugen die Muskeln ebenfalls ein Protein (PGC-1alpha1). Das dabei entstehende Enzym wandelt das Kynurenin in unbedenkliche Kynurensäure um.

Die Studie selbst hat die Hypothese auf verschiedenste Art und Weise geprüft. Indem die Forscher die Mäuse über Wochen in eine leichte Stresssituation (durch Geräusche, blinkende Lichter etc.) versetzten, konnten sie bei den Tieren depressives Verhalten hervorrufen; genetisch veränderte Mäuse jedoch, die dauerhaft übermäßig viel PGC-1alpha1 produzierten, hatten auch unter anhaltenden Stressbedingungen einen niedrigen Kynureninspiegel und entwickelten kein depressives Verhalten. Auch durch die direkte Injektion Kynurenins erzeugten die Wissenschaftler Depressionen und es zeigte sich, dass vermehrte Bewegung das Niveau des Enzyms ansteigen ließ, wodurch Kynurenin zu Kynurensäure wurde und damit keine Weiterleitung zum Gehirn stattfinden konnte.
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Quelle: RUNNER’S WORLD

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