Der Chef als Coach? So ein Quatsch?

Der Chef als Coach? So ein Quatsch?

Im deutschsprachigen Raum wird der englische Begriff Coaching unterschiedlich verwendet. Zum einen gibt es das eigentliche Coaching, eine unterstützende, lösungsorientierte Beratungsform durch eine Person, die nicht Teil des Systems der zu coachenden Person ist. Zum anderen ist auch im Arbeitsumfeld ein Coach häufig ein Trainer. Außerdem wird unter Coaching auch ein Führungsstil verstanden.

Führungscoaching Gerrit Jäger

Es gibt kontroverse Diskussionen darüber, ob eine Führungskraft der Coach seiner Mitarbeiter sein kann. Aus meiner Sicht kann man die Frage einfach und schnell mit „nein“ beantworten. Man muss dafür lediglich die Definition der Rolle eines Coaches den Aufgaben einer Führungskraft gegenüber stellen. Der unauflösbare Rollenkonflikt wird schnell deutlich.

Oft habe ich erlebt, wie Führungskräfte mit ihrem Anspruch gescheitert sind, bester Freund und Coach für ihre Mitarbeiter zu sein. Häufig war ihnen der Rollenkonflikt bis zum Ende nicht klar. Daraus resultierte großes Unverständnis, wieso Mitarbeiter die gut gemeinten Coaching-Angebote nicht annehmen oder davon profitieren konnten. Eine Führungskraft muss sich ihrer Rolle bewusst bleiben. Nur dann kann sie das eigene Verhalten und die Haltung trotzdem mitarbeiterorientiert und coaching-nah ausrichten. Eine dafür notwendige Haltungsänderung ist wesentlich schwieriger, als sie scheint und geht nur über ein hohes Maß an Selbstreflektion. Ausgangspunkt für die Veränderung ist das Verständnis, dass man als Führungskraft nicht der Coach seiner Mitarbeiter sein kann.

Führungskraft oder Coach?

Der Coach ist eine Person, die dem Coachee dabei hilft, seine eigene Lösung zu finden. Er verfolgt gegenüber dem Coachee keine eigenen Interessen, darf nicht urteilen, sondern hilft dabei, dass der Coachee seine selbst gesteckten Ziele erreicht. Der Coachee beauftragt den Coach direkt oder indirekt.

Eine Führungskraft muss loyal dem Unternehmen gegenüber Unternehmensinteressen vertreten und erfüllen. Sie übernimmt für ihre Mitarbeiter Fremdverantwortung. Zu den Aufgaben gehört die Kontrolle und Beurteilung von Mitarbeitern und sie ist verantwortlich für die Erreichung von Unternehmenszielen.

Der Rollenkonflikt

Coach und Coachee befinden sich auf Augenhöhe, während zwischen Führungskraft und Mitarbeiter eine hierarchische, komplementäre Beziehung besteht. Ein einfaches Beispiel: Wenn ein Coachee mit seinem Coach nicht zufrieden ist, kann er jederzeit die Beziehung auflösen und sich von dem Coach trennen. Ein Mitarbeiter kann aber seine Führungskraft nicht entlassen. Umgekehrt kann auch eine Führungskraft nicht jedes beliebige Ziel des Mitarbeiter akzeptieren, sondern muss es in Einklang mit den Zielen des Unternehmens bringen.

Eine Führungskraft kann also aufgrund des Abhängigkeitsverhältnisses und der fehlenden Unabhängigkeit nicht der Coach der eigenen Mitarbeiter sein. Eine solche Formulierung wäre nicht ehrlich und irreführend. Der Chef als Coach? Das ist Nonsens.

Ein anderer Führungsstil

Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Führungskraft deswegen klassisch hierarchisch unterwegs sein muss und sollte. Die Grundhaltung hinter dem Auftrag als Coach und ein auf Förderung und Potenzialentwicklung ausgerichteter Führungsstil ist nicht nur förderlich, sondern für eine emotionale Bindung an das jeweilige Unternehmen unbedingt notwendig.

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Quelle: INSPECT&ADAPT » Der Chef als Coach? So ein Quatsch